Gehorsam und Konformität...

...sind gut erforschte Phänomene in der Psychologie.

Was aber hat das mit der aktuellen Situation zu tun?

 

Krisen können Menschen überfordern. Das chinesische Zeichen für Krise bedeutet Gefahr und Chance - in einer gefährlichen Situation liegt eine Gefahr, birgt jedoch auch die Chance auf Wachstum und Veränderungen.


Wenn Menschen in der Gefahr „stecken bleiben“ und Angst zur (unbewussten) Begleiterin wird, treten verschiedene Bewältigungsmechanismen ein, die evolutionsbiologisch als primäre Notfallprogramme ablaufen: Flucht (Rückzug), Starre (Immobilität) oder Verteidigung (Angriff). Nun können wir nicht 24 Stunden am Tag flüchten, erstarren oder angreifen. Es kommt zu Reorientierungen und Reorganisationen auf dauerhafte Stressereignisse und Anpassungsleistungen.

 

Einigen Menschen gelingt es, einen Schritt zurückzutreten und zu schauen: Ist die Gefahr so gefährlich, wie ich dachte? Wenn ja, was kann ich dagegen tun? Wie habe ich frühere Krisen bewältigt? Sie aktivieren innere Ressourcen und Fähigkeiten und versuchen, mit der Krise aktiv umzugehen. Dabei ist die Bewältigung individuell, denn es gibt nicht „den“ einen Weg.

 

Andere Menschen sind verunsichert, was richtig und hilfreich sein könnte. Diese haben beispielsweise keinen Zugriff zur Intuition mehr oder trauen sich aufgrund fehlendem Fachwissen nicht zu, auf ihre Intuition und Erfahrungswissen zurück zugreifen. Diese Menschen orientieren sich stark am Gruppenverhalten, schauen, was Fachleute vorgeben, versichern sich im Außen, was zu tun sei - alles natürliche und nachvollziehbare Prozesse, um mit einer Gefahr umzugehen. Die Herausforderung dabei ist jedoch, dass das, was „die Gruppe“ oder „die Mehrheit“ vorgibt, nicht unbedingt immer richtig sein muss, und u.a. situations- und kontextbezogenen Faktoren unterliegt. Erinnern wir uns beispielsweise daran, dass bis 1991 Homosexualität als psychische Erkrankung eingeordnet worden ist. Dies war irgendwann mal gesellschaftlicher Gruppenkonsens und ist heute in den meisten Gesellschaften nicht mehr vorstellbar. Zeigt jedoch, dass Mehrheiten nicht immer Recht haben. Ähnlich ist es mit historischen Umwälzungen wie beispielsweise der Einführung des Frauenwahlrechts gewesen.


Unter anderem Angst vor Ausgrenzung und Isolation, Scham vor Be- und Abwertung und eben oben beschriebene Unsicherheiten bringen Menschen dazu, sich einem Gruppenverhalten anzupassen. Die nun folgenden Experimente und Studien sollen einen Einblick über Phänomene von Gehorsam und Konformitätsdruck geben. Sie sind Klassiker der Sozialpsychologie. Vor dem Hintergrund dieser Experimente und Studien lässt sich vielleicht leichter einordnen, wieso heute viele Menschen die Maßnahmen mittragen. Anpassung an Gruppen hat immer auch etwas mit einem eigenen Schutzbedürfnis oder dem Wunsch, Gutes für andere umzusetzen, zu tun. Dabei werden Irritationen, Grenzen, eigene Bedürfnisse und leider auch Logik teilweise hinten angestellt und die zögerliche innere Stimme überhört. Wir möchten Ihnen die Möglichkeit geben, sich durch die unten aufgeführten Experimente über sozialpsychologische Phänomene zu informieren und Sie ermutigen, Ihre eigene innere Stimme bewusst wahrzunehmen!


Das Asch-Experiment

Menschen neigen zu Konformität und plappern offensichtlichen Unsinn nach, wenn ihre gesamte Umgebung diesen Unsinn erzählt.

Wenn alle ständig vor einer „Jahrhundert-Pandemie!“ warnen, glaubt man es - allen Fakten und Statistiken zum Trotz - am Schluss selbst.

 

https://www.youtube.com/watch?v=11_xWZOjlMg


Ein weiteres Experiment zum Gruppenzwang         ('Peer Pressure')


DAS MILGRAM-EXPERIMENT

Menschen fügen anderen bereitwillig großes Leid zu, bis hin zum Tod, wenn Wissenschaftler sagen, es sei notwendig und richtig.

So verhalten sich momentan Regierungen unter Anleitung von Physikern und Virologen:

 

https://www.youtube.com/watch?v=OUnUl8Lxhtk

 

 

Eine aktuelle Analogie (vom Juni 2021) zum Milgram-Experiment führt der Psychoanalytiker und Professor der Psychologie Dr. Klaus-Jürgen Bruder aus:

 

https://www.youtube.com/watch?v=hqO9QdN-pgA


DAS STANFORD PRISON EXPERIMENT

Weist man Versuchspersonen Rollen als Gefangener bzw. Wärter zu, bilden sich rasch Verhältnisse wie in echten Gefängnissen.

Die „Wärter“, ganz normale Menschen, neigen plötzlich zu Grausamkeit.

(Das Experiment musste nach sechs von geplanten vierzehn Tagen abgebrochen werden, weil die Situation moralisch nicht mehr zu vertreten war.)

 

https://www.youtube.com/watch?v=072ID3iriBs


DAS STOCKHOLM SYNDROM

Geiseln haben entgegen intuitiver Annahmen oft eine positive Einstellung zu ihren Entführern und eine negative Einstellung zur Polizei.

 

Dies können wir auf die aktuelle Situation übertragen: Durch Lockdown geschädigte Menschen attestieren den „Entführern“ (Politiker und Machthaber, die weltweit die Lockdowns verhängen) einen guten Job.

 

https://www.youtube.com/watch?v=53FSCBX7qDk


Living is easy with eyes closed

Eine spannende Arbeit von Christiane Czech, die sich mit strategischer Unwissenheit und eigennützigem Verhalten befasst:

 

https://jums.ub.uni-muenchen.de/JMS/article/view/5037/3214


Weitere Aspekte dieses Spektrums - allerdings nicht in Form empirischer Versuche - finden Sie hier